Meinungen vom Seidenbaron

 

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Alle reden über den Dienstwagen und keiner über die Ärztehonorare

Es ist schon erstaunlich,  nachdem sich der Pulverdampf des Boulevards ein wenig verflüchtigt, erscheint das Verhalten der Gesundheitsministerin vielleicht im Krisenmanagement und der Kommunikation etwas unklug, in der Sache aber bisher kaum zu beanstanden. Zumindest lässt sich nicht feststellen, dass Frau Schmidt sich irgendwie irregulär verhalten hat. Auch ihre Darstellung , dass sie sich sehr wohl sparsam verhalten habe und dies überprüfen lasse, bleibt bisher weitgehend unwidersprochen.

Zusammenfassend kann man dazu nur sagen:

„Wie diverse Medien mit Ulla Schmidt umgehen, ist unlauter und wohlfeil. Denn was ist eigentlich passiert? Gar nichts.“  (Markus Horeld in „Die Zeit – online“, 29.7.09).

Man sollte dabei aber nicht stehen bleiben.So ist es interessant, zu schauen welche Meldungen hinter der Dienstwagendiskussion unbeachtet geblieben sind. Dabei fallen ganz besonders jene Meldungen auf, die sich mit der aktuellen Entwicklung kassenärztlicher Honorare beschäftigen. Dort wird vermeldet, dass die Honorarentwicklung bei den niedergelassenen Ärzten wider jede Vernunft und unangemessen in der aktuellen Wirtschaftssituation fast explodiert ist. So steigen für Ärzte in Berlin die Honorare um bis zu 32%. Und auch in anderen Bundesländern gewinnen die Ärzte massiv hinzu.  Angesichts des Ärzteprotest in den vergangenen Monaten ist das erstaunlich und schlicht das Gegenteil dessen, was die Halbgötter in Weiß ihrer Patientenschaft zuvor in den Praxen durch Aushang angekündigt hatten. Die gebeutelten Mediziner schrecker aber nicht davor zurück, ihre Gejammer fortzusetzen.  Das können sie sich ja auch leisten, denn es spricht niemand über die Honorare, sondern über den Dienstwagen.

Die Kassenärzte haben also ihre Lieblingsgegnerin mindestens momentan vom Hals und von den eigenen Gewinnen abgelenkt. Herzlichen Glückwunsch! Ich will keinen Zusammenhang herstellen und auch nicht unterstellen, dass der Dienstwagendiebstahl aus solchem Grunde vorgenommen wurde. Das liegt mir natürlich fern, aber ich erlaube mir darauf hinzuweisen, wem es nützt.

Überhaupt gehört Frau Schmidt zu jenen Ministern, die für manche Lobbys eher unbequem ist. Selbst die FAZ attestiert ihr:

„Schmidt baute ihr Ministerium um zu einer Schaltstelle sozialdemokratischer Gesundheitspolitik - bis zuletzt argwöhnisch von der Union verfolgt. Sie brach die Macht der Kassenverbände, legte die Kassenärztlichen Vereinigungen an die Leine, verschärfte die Regulierung der Pharmapreise. Nie war der Einfluss der Bundesregierung auf das Gesundheitssystem größer als unter Frau Schmidt. Nie war der Einfluss einer Gesundheitsministerin auf das System größer als heute.“ (FAZ, 30.7.09 )

Auch daran lässt sich erkennen, wer am Ende die Gewinner einer Schwächung von Frau Schmidt sind. Eine Diskussion über die Macht der Pharmakonzerne und die Ärztelobby wäre für Deutschland jedenfalls wichtiger, als die scheinheilige Debatte über die rechtlich einwandfreie Nutzung eines Dienstfahrzeugs.

30.7.09 21:37
 


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